Zerstückelte Finger gehören einfach nicht auf Werbeplakate

#copiecolle #alabasecestmaphoto #etjeladore #netflix #berlin #santaclaritadiet (cc @bendkt )

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„Ey, hast du das riesige Plakat mit Currywurst-Finger am Potsdamer Platz gesehen? Ich hätte echt fast einen Unfall deswegen gebaut. Ekelhaft", sagte ein Taxifahrer vor einigen Tagen zu mir. Wir haben uns von Kilometer zu Kilometer immer mehr auf das Thema eingeschossen. Da ich seiner Meinung war, dass Bilder von abgetrennten Gliedmaßen keine öffentlichen Werbetafeln zieren sollten, bekam ich sogar einen Rabatt auf die Fahrt...
Die verschiedenen Motive der deutschlandweiten Plakataktion zur Netflix-Serie „Santa Clarita Diet" mit Drew Barrymore spiegeln die blutige Handlung wider: die besagte Currywurst, die aus einem in Stücke geschnittenen Finger besteht. Ein Burger aus menschlichen Körperteilen, die Pommestüte voller abgeschnittener Finger. Da stehen der Taxifahrer und ich nicht allein da mit unserer „Geht gar nicht"-Haltung: Nachdem beim Deutschen Werberat zig Beschwerden über die anstößigen Motive eingegangen sind, wurde Netflix dazu aufgefordert, die Plakatierung bundesweit zu entfernen.
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„Es kamen Beschwerden, dass die Bilder Kinder und Jugendliche verstören und Angst erzeugen würden", erklärt Anne Grote, Pressesprecherin vom Deutschen Werberat. Und das is der Punkt: Ich finde die Bilder schon fast genial – doch zu krass für die Straße. Denn dort wirkt sie auf jeden. Auf Kinder, auf Rentner, auf Menschen mit traumatischen Erlebnissen. Und das macht das Ganze geschmacklos.
Wenn ich acht Jahre alt wäre, würde mich die menschliche Currywurst verstören. Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich vor vielen Jahren fühlte, als ich Dinge sah, die nichts für Kinder sind: Ich hatte zum Beispiel mal in einem Film ein Pferd mit ausgehöhlten Augen gesehen – Horror. Oder das Musikvideo von The Cranberries zu Zombie – Hilfe. Und so muss sich doch ein kleines Mädchen oder ein kleiner Junge auch heute noch fühlen, wenn suggeriert wird, dass manche Menschen Finger wie Pommes essen oder Herzen im Burger.
Netflix kann sich natürlich freuen, dass die Emotionen zu ihrer fleischigen Werbung so hochkochen. War's vielleicht sogar beabsichtigt, messerscharfes Kalkül? Jeder redet darüber, also kennt jetzt auch jeder in Deutschland die Serie. Was schockt, das bleibt im Kopf. Ich bleibe aber dabei: Bei der Werbung für einer Zombie-Serie darf man nicht über Leichen gehen.

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