Die Wahrheit über Insta-Stalking: Alle tun es, keine*r gibt's zu

Foto: Caroline Tompkins
Dieser Text erschien ursprünglich am 16. Februar 2016
Die Ex oder den Schwarm auf Instagram auszuchecken, gilt heutzutage als vermeintlich normal. So kommt es mir zumindest vor, wenn ich meinen Freund*innen dabei zuhöre, wenn sie über ihr Social-Media-Verhalten sprechen. So ein Gespräch kann ganz Sex and the City­-mäßig anfangen, um dann wegen unerwarteter und furchterregender Geständnisse darüber, wie sie andere online ‚stalken’, sekundenschnell in Single White Female-Untiefen abstürzen. ‚Stalken‘ ist ein starkes Wort, eines, das oft benutzt wird und alles mögliche bedeuten kann: dich heimlich auf dem Twitter-Account eines*r heißen Arbeitskolleg*in herumzutreiben, Tinder-Matches bei Instagram ausfindig zu machen oder – mein persönlicher Jackpot – die private Facebook-Seite eines C-Promis zu finden.

Wie bedenklich ist Stalking auf Social Media?

Und ja, viele „stalken“ ihre*n Ex. Aber ist es noch gesund über jedes Instagram-Like, getaggte Foto und vielleicht-besuchte Event von jemandem, mit der oder dem man zweieinhalb Jahre lang ein Bett geteilt hat, im Bilde bleiben zu wollen? Wann geht es von unbedenklich in creepy Orbiting über?
Ich finde es einfach beunruhigend, wenn mir meine übliche Kneipenbegleitung gesteht, dass er oder sie mehr vollkommen fremde Menschen im Auge behält als die NSA. Manchmal kann man private Informationen gar nicht übersehen – ich könnte euch zum Beispiel den Namen der Katze einer Journalistin sagen, die ich nie getroffen habe, oder was ein Mädchen, das ich auch nicht kenne, zur Fashion Week getragen hat – aber manchmal suchen wir auch aktiv danach.
Der Gedanke, dass unsere Social-Media-Angewohnheiten ein Symptom unserer Zeit sind ist verlockend – eine Zeit, in der zwei Drittel aller Briten ein Smartphone besitzen und sich Ofcom zufolge etwa zwei Stunden am Tag damit beschäftigen; eine Zeit, in der wir anscheinend durchschnittlich vier Social Media-Accounts pro Person haben. Andererseits haben meine 18-jährige Schwester und mein 16-jähriger Bruder gar keine Accounts bei Sozialen Netzwerken und meine Schwester sagte mir vor kurzem, dass sie sich nicht einmal das Facebook-Profil von ihrem Freund angesehen hat.
Um mir darüber klar zu werden, was ‚normales‘ Online-Verhalten ist, beschloss ich, Menschen informell und anonym zum wahren Ausmaß ihres Online-Spionierens und zu ihren überraschend high-tech Methoden zu befragen. Mich 40 Wochen tief in den Instagram-Account von jemandem geklickt zu haben, gibt mir im besten Fall das Gefühl, ein bisschen creepy zu sein, im schlimmsten eine Cyber-Kriminelle, weswegen ich meinen Interviewpartner*innen außerdem die Frage stellte, ob Social Media-‚Stalking‘ jemals gut ausgehen kann.
Ihre Antworten waren eher durchwachsen und zeigten, dass Menschen aus ziemlich vorhersehbaren Gründen ‚stalken‘: Neid, Neugier, die Suche nach Selbstbestätigung oder einem Gefühl der Zugehörigkeit und schlicht und einfach Langeweile. Klickt euch durch die Slideshow, um ungeschönte Berichte über Menschen zu lesen, die das Leben Anderer im Internet verfolgen und darüber, was sie dadurch – wenn sie wirklich darüber nachdenken – über sich selbst gelernt haben.
*Ein Teil der Namen wurde geändert.

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