It’s Time to Ride: Skaterlooks tragen, ohne selbst zu fahren? Geht klar.

Foto: Renell Medrano
Abgeschnittene Jeans, weites Shirts und auf einem Skateboard unter den Füßen den Asphalt entlang jagen? Cool! Einst aus der Idee entstanden, den Surfsport vom Wasser auf die Straße zu verlegen, ist eine eigene Subkultur geboren worden und mit ihr einer der wohl lässigsten Modestile überhaupt. Und wir feiern ihn wieder, den Look irgendwo zwischen ‚Easy-Going‘, Nostalgie und dem Lebensgefühl von Freiheit.
Dem russischen Modedesigner Gosha Rubchinskiy zum Beispiel hat es wohl wieder unter den Fingern gekribbelt und hat vor Kurzem die neue Kollektion seines fast vergessenen Skate-Labels Razzvet vorstellt. Präsentiert von kleinen Jungs mit Boards, die augenscheinlich noch grün hinter den Ohren sind. Aber offensichtlich will Rubchinskiy mit Razzvet genau das transportieren: eine Unbeschwertheit, wie man sie als Kind hatte, als man sich um nichts Gedanken gemacht hat außer, wann man endlich wieder auf die Straße zum Spielen durfte. Vielleicht inspiriert von den legendären Z-Boys, die durch ausgetrocknete Swimmingpools fahren.
Die in den siebziger Jahren zusammengefundene Gruppe von Surfern suchte damals nach einer Möglichkeit, auch ohne den richtigen Wellengang ihrer Leidenschaft nachzugehen. Aus einer fixen Idee entstanden dann die ersten Skateboards. Auch der Kleidungsstil orientierte sich am entspannten Surfer-Lifestyle – meist nur ein Shirts und Badeshorts. Der Skaterlook war geboren.
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Heute bieten viele Skateboard-Labels neben dem Board auch ein passendes Outfit für Skater an. Wer momentan durch seine Lieblings-Onlineshops scrollt, dürfte Marken wie Santa Cruz (wieder)entdecken. Auch hier handelt es sich ursprünglich um ein reines Skateboard-Label, das anfing, passendes Merchandise für seine Community zu produzieren. Doch der Look spricht, eben wegen Designern wie Gosha Rubchinsky, nicht nur Streetwear- sondern auch Modeinteressierte an.

Der Nostalgie wegen

Es sollte dem ein oder anderen aufgefallen sein: Momentan zelebrieren wir auf den Laufstegen und den Straßen zahlreiche Looks aus den vergangenen Jahren. Leuchtende Farben, auffällige Prints und sportliche 90er-Jahre-Schnitte, um nur einige zu nennen. Dazu zählen auch die nostalgischen Skaterlooks. Das typische Schachbrettmuster der Vans-Slipper beispielsweise, finden wir momentan auch auf Ärmeln oder als All-Over-Print auf Röcken. Und auch unsere Hosen bieten in weiten Workwear-Passformen viel Spielraum und eignen sich hervorragend zum Boarden (wen man es denn beherrscht). Auch unsere geliebten Gürteltaschen zeigen die Tendenz zu freiheitsliebender und vor allem praktischer Mode, wie sie zum Skaten eben essenziell ist. Fragt man alt eingesessene Labels wie Stüssy, gibt es sowieso keinen großen Unterschied zwischen Männer- und Frauenkleidung. Shirts, Caps und lockere Hosen passen nun einmal zu jedem Geschlecht.
Auch Highfashion-Brands wie Miu Miu entdecken die Szene für sich. Vor zwei Jahren erschien der Kurzfilm „That One Day“. Protagonistin ist die damals siebzehnjährigen Rachelle Vinberg. Die ist auch Mitbegründerin von „The Skate Kitchen“, wohl eine der erfolgreichsten Crews in der Community. Die Skaterinnen stehen für furchtlose Tricks und expressive Streetstyles, die auch gerne mal bunt, laut uns ausgefallen sein dürfen. Kein Wunder also, dass Regisseurin Crystal Moselle, die auch schon für den Film von Miu Miu verantwortlich war, in New York auf die Crew aufmerksam wurde und einen gleichnamigen Kurzfilm mit ihnen dreht. So sickert der Skater-Lifestyle immer weiter in den Mainstream.

Modetrend oder Lebenseinstellung?

Natürlich kann sich jeder wie ein Skatergirl (oder Skaterboy) kleiden, auch wenn er oder sie im Leben noch auf keinem Board gestanden hat. Schließlich tragen wir auch gerne Lederjacken und Karoröcke, ohne wirklich Punks zu sein. Denn letztendlich geht es nicht nur ums Skateboarden, sondern vielmehr ums Skaten als Teil des Lebens und allem, was drum herum passiert. Und wer die Füße nicht stillhalten kann, und erste Versuche auf dem Board wagen mag – los! Was sind schon ein paar Schürfwunden gegen ein kleines Stückchen Freiheit?
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