Ein Leben für die Kunst: Zu Hause bei Deutschlands jüngster Galeristin

Dieser Artikel erschien zuerst bei femtastics / Instagram / Facebook
Anahita Sadighi, geboren in Teheran und aufgewachsen in Berlin, lebt und liebt ein Leben mit der Kunst. Mit gerade einmal Ende 20 nennt die Iranerin bereits zwei Galerien im Westen der Hauptstadt ihr eigen: “Anahita – Arts of Asia” für alte fernöstliche Antiquitäten und “Anahita Contemporary” für zeitgenössische Strömungen. Hier veranstaltet sie regelmäßig Events im Dienste persischer Dichtung und wird auch sonst nicht müde, Menschen für ihr kulturelles Erbe zu begeistern. Wer möchte, darf in ihr eine Art Botschafterin ostasiatischer Lebensweisen sehen. Wer sie dann auch noch als solche bezeichnet, wird ein stolzes Nicken als Antwort bekommen, es aber niemals aus ihrem Mund hören. Bei alldem Erfolg – Magazine wie Vogue oder Weltkunst feiern sie schon lange als Deutschlands jüngste Galeristin – ist sie bescheiden geblieben. Wer mit Anahita in einem Raum ist, wandelt ganz selbstverständlich zwischen gestern, heute und morgen – und wird unweigerlich Teil ihrer Mission und ihrer kunstvollen Inszenierung. Unnötig zu sagen, dass auch ihre eigenen vier Wände in Berlin-Charlottenburg genau das sind: eine Collage ihrer selbst und eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
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femtastics: Anahita ist ein wunderschöner Name, den du voller Stolz gleich für beide deiner Galerien gewählt hast – was bedeutet er?
Anahita Sadighi: Anahita ist eine altpersische Göttin – die einzig Weibliche im altpersischen Götterpantheon wohlgemerkt. Sie ist die Göttin der Reinheit, der Fruchtbarkeit, des Wassers. Meine Eltern glauben sehr stark daran, dass Namen eine große Wirkung auf die Persönlichkeitsentfaltung eines Menschen haben und dass der Name Programm ist. Davon bin ich im Übrigen auch überzeugt. (lacht)
Du bist gerade mit deinem Freund zusammengezogen. Oder genauer gesagt: dein Freund ist bei dir eingezogen. Wie hat sich die Wohnung seitdem verändert?
Eigentlich kaum! Außer, dass es jetzt unser gemeinsames Zuhause ist, worüber ich mich sehr freue. Er liebt die Wohnung genauso, wie ich und Einrichtung und Stil haben ihm von Anfang an gut gefallen. Er überlässt mir das Einrichten und Arrangieren, ich frage ihn aber natürlich nach seiner Meinung. Welche neuen Kunstwerke in die Wohnung kommen, entscheiden wir in Zukunft gemeinsam.
Liegt dir als Galeristin kuratieren so im Blut, dass du auch bei deinen eigenen vier Wänden nicht darauf verzichten kannst?
Absolut! In der chinesischen Philosophie heißt es, dass der Schmuck in einem Haus, in dem es sich gut leben lässt, originell und wechselhaft sein muss. Wenn man Dinge immer am gleichen Platz lässt, schlagen sie Wurzeln – wie Pflanzen. Man richtet sich nicht für die Ewigkeit ein. Der Lebensraum ist etwas Lebendiges und sollte immer wieder verändert werden, damit man sich selbst weiterentwickelt. Man fühlt sich ästhetisch und energetisch ja auch immer wieder zu anderen Sachen hingezogen. Wichtig ist vor allem die Harmonie. Es liegt an uns, zu schauen, wie Arrangements diese beeinflussen.
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Gibt es dennoch etwas in deinen vier Wänden, das sich seit deinem Einzug vor zwei Jahren nicht verändert hat, und sehr wahrscheinlich auch so bald nicht wird?
Ja, der chinesische Altartisch aus dem 18. Jahrhundert mit verschiedenen afrikanischen Masken und den darüber installierten drei Bildern von meinem Vater [Anm. d. Red.: der Künstler Hamid Sadighi Neiriz]. Die Konstellation habe ich mir lange überlegt. Ich liebe die Gesamtkomposition – sie schenkt mir Kraft.
Bist du in Sachen Einrichtung eine Perfektionistin?
Ja und nein. Es gibt so viele Sachen in der Wohnung, die fernab von “perfekt” sind und das ist absolut okay. Der Kronleuchter müsste zum Beispiel eigentlich über dem Esstisch ausgerichtet sein. Ich bin bisher nicht dazu gekommen, das wird aber noch. Alles zu seiner Zeit. Man muss sich davon lösen, dass alles immer fertig sein muss im Wohnraum. Dass sich übrigens manche Leute ihre Wohnung komplett von anderen einrichten lassen, finde ich etwas befremdlich. Das ist, als ob man seine Persönlichkeit aus der Hand gibt.
Gefühlt gibt es heutzutage in Sachen Einrichtung vor allem drei große Stile: die Ibiza-Bohème, den Minimalismus und den Scandinavian-Chic – ich habe bereits geahnt, dass mich bei dir nichts dergleichen erwarten wird. Ist das etwas, dass an dir vorbeigeht oder fließt das hier und da doch mit ein?
Ich verfolge das natürlich und finde, dass alle Stile ihre Berechtigung haben. In bestimmten Kontexten ist das auch sehr passend: Wenn ich zum Beispiel nach Ibiza verreise, dann möchte ich natürlich so wohnen. Bei den prägenden Einrichtungsstilen unserer heutigen Zeit macht sich jedoch bemerkbar, wie eurozentristisch und einseitig diese Trends sind. Was ist mit anderen Kulturen? In unserem globalen Zeitalter sollten sich diese Entwicklungen auch in der Einrichtung wiederfinden lassen und zelebriert werden. Ich finde es vor allem wichtig, dass die eigene Wohnung mit der eigenen Geschichte, Erfahrungen und dem individuellen Lebensstil verwoben ist und sich darin Charakter, Interessen und Leidenschaften widerspiegeln – kurz gesagt: dass Wohnungen authentisch und individuell sind. Das bedeutet, dass man sich mit sich selbst beschäftigt. In diesem Prozess lernt man sich selbst lieben und schätzen. Das habe ich auch bei mir beobachtet.
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Gehen heutige Interieur-Trends deiner Meinung nach auf Kosten der Individualität?
Ja. Wenn man die ganzen Kampagnen in einschlägigen Interieur-Magazinen verfolgt, dann ist alles gleich: nudefarben und minimalistisch, es herrscht wenig Abwechslung und Kreativität. Man kann es eigentlich fast nicht mehr sehen. Die Welt ist so viel größer und spannender, aber der allgemeine Konsens eckt natürlich nicht so an und ist komfortabel. Interessanterweise kennt kaum jemand heute die Ursprünge dieser minimalistischen Stile oder fragt danach. Der asiatische Stil wird zum Beispiel oft als schnörkelhaft empfunden – das gibt es natürlich auch, aber klassische chinesische Möbel und ästhetisches Empfinden sind zum Beispiel absolut zeitlos. Sie verkörpern pure Eleganz und Sachlichkeit, mehr minimal geht nicht. Die chinesische Kultur hat die Europäer stark beeinflusst, das reicht bis hin zur Bauhaus-Bewegung.
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Welche Rolle spielt für dich Religion? Inwiefern ist die Arbeit mit Kunst und Antiquitäten schöpferisch? Das ganze Interview lest ihr auf femtastics.
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