Eine Interior-Stylistin verrät ihre Tipps für eine authentische Einrichtung

Dieser Artikel erschien zuerst bei femtastics / Instagram / Facebook
Doreen Schumacher ist ein Tausendsassa wie er im Buche steht: Architektin, Interieur-Stylistin, Unternehmerin, Model und Mama. Neben all dem ist die 33-jährige Leipzigerin und Wahl-Berlinerin aber vor allem eines: unglaublich herzlich. Wer Doreens Türschwelle zu ihrem Altbau-Loft im lebhaften Berlin-Neukölln übertritt, fühlt sich sofort wie zu Hause. Aus einem Kaffee wurde schnell ein zweiter, dritter und vierter. Zugegeben, wir hätten einfach ewig mit Doreen weiterplaudern können. Im Interview verrät uns die Wohnexpertin, was die eigenen vier Wände besonders macht und wie die richtige Balance zwischen Alt und Neu, Designklassikern und DIY gelingt.
femtastics: Wenn es um das Thema Einrichtung geht, bist du quasi vom Fach – du hast Architektur studiert und arbeitest heute als Interieur-Stylistin. War das schon immer dein Traum?
Doreen Schumacher: Das hat sich, ehrlich gesagt, eher zufällig ergeben. Zumindest das Studium. Eine Freundin von mir ist damals zur Zulassungsprüfung an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig gegangen und weil ich unsicher war, beziehungsweise eigentlich Modedesign in Berlin studieren wollte und meine Eltern ein bisschen gedrängelt haben, bin ich einfach mitgegangen. Das Lustige war, dass meine Freundin leider abgelehnt, ich aber genommen wurde. Ich dachte: “Mensch, dann kann ich das ja wahrscheinlich.” Also habe ich es gemacht.
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War es im Nachhinein betrachtet die richtige Entscheidung für dich?
Absolut! Am Anfang lief es zwar ein bisschen schleppend, ich war dann aber ein halbes Jahr in Barcelona und ein halbes Jahr in China, um dort Erfahrungen zu sammeln, und letztlich war der Anspruch in der Schlussphase so hoch, dass ich mich einfach behaupten wollte. Und das habe ich dann auch!
Parallel zum Studium hast du gemodelt. Wie hast du das unter einen Hut bekommen?
Ich habe bereits mit 15 angefangen zu arbeiten, irgendwann mal in einem Klamottenladen, bis sich die Chance auftat, zu modeln. Das war natürlich sehr lukrativ und ging selbst von Leipzig aus. Mein erster großer Job war für “Schwarzkopf Got 2 be”, für den ich ganz schön Haare lassen musste, was mit Anfang 20 echt eine Überwindung war (lacht). Am Ende war es aber ein total geiler Job, ich war das Gesicht der Kampagne und habe eigentlich bis letztes Jahr daran verdient, weil die Fotos von so vielen Ländern eingekauft wurden. Was ich in der Zeit an der Uni verpasst habe, habe ich nachgearbeitet und wenn es darum ging, mich in Kursen einzuschreiben, haben das meine Kommilitonen übernommen.
Darauf folgten viele weitere Aufträge, du warst bereits in einigen großen Werbespots zu sehen und hättest beruflich auch den Weg einschlagen und das Studium sein lassen können.
Vielleicht, aber so bin ich nicht erzogen worden. Als ich damals nach Barcelona gegangen bin, weil sich mein Freund von mir getrennt hatte und ich einfach mal raus musste, hat meine Mutter mir schon zu verstehen gegeben, dass ich lieber mein Studium durchziehen solle. Dass man diese Dinge heutzutage recht flexibel gestalten kann und, dass das alle so machen, war für sie eher schwer zu verstehen. Meine Eltern waren immer sehr hinterher, dass ich direkt nach der Schule studiere und ich muss sagen, dass mir Studieren auch extrem viel Spaß gemacht hat. Am wichtigsten war dabei aber, dass ich so viel reisen konnte – vor allem in den Semesterferien.
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Wenn du heute zurückschaust: Wo hast du dich im Alter von Anfang 20 mit 30 Jahren gesehen?
Oh, ich hatte große Pläne! (lacht) Ich wollte immer mein eigenes Architekturbüro haben und mit 30 meine erste Million … Nun, ich werde 33 und habe immer noch keine Million, aber das ist überhaupt kein Problem und ich möchte auch wirklich kein eigenes Architekturbüro mehr haben – nicht im klassischen Sinne. Ich habe für viele Architekten gearbeitet und dieses Leben schien mir nicht familienkompatibel. Die haben oft bis spät abends im Büro gesessen und da wusste ich: Das will ich nicht!
Weil du ein Familienmensch bist und schon immer ein Kind wolltest?
Absolut! Ich wollte unbedingt vor 30 Mutter werden, das habe ich auch tatsächlich so geplant. (lacht) Am liebsten hätte ich es gehabt, an meinem 30. Geburtstag wieder trinken und feiern zu können – sprich, also schon abgestillt zu haben. Das hat nicht ganz geklappt, aber alles geht eben nicht.
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Du richtest neben Bürokomplexen und öffentlichen Gebäuden aber auch Privatwohnungen ein. Menschen, die sich privat eine Innenarchitektin oder Stylistin suchen, haben ja nicht immer die konkretesten Vorstellungen. Wie gehst du an solche Aufträge heran?
Meistens gibt es bereits einen bestimmten Look oder wir kreieren ihn, dann geht es vor allem um Bedürfnisorientiertheit: Was braucht man eigentlich in seiner Wohnung? Ich habe gerade für einen Bekannten eine Wohnung eingerichtet – recht klein, klassischer Altbau, langer Flur, Rauhfasertapete und alte 70er-Jahre-Küche. Dem habe ich geraten, sich auf zwei Farben und zwei Materialien zu beschränken und diese in der ganzen Wohnung umzusetzen. Egal, was er neu kaufen wollte, es musste sich daran orientieren. Dann geht wirklich nichts mehr schief, selbst bei jemandem, der gar keinen Geschmack hat. In dem Fall waren es die Farben Schwarz-Weiß, sowie Holz und Edelstahl – einfache, klare Haptiken.
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Bei so viel kreativem Output in deinem Job, hast du da noch Energie auch zu Hause Hand anzulegen und Dinge zu verändern?
Ich verändere regelmäßig etwas in meiner Wohnung, aber ich muss mir das konzeptionell extrem vornehmen. Das heißt, ich mache mir wie bei einem Job ein Moodboard, mache Ansichten von den Wänden, wie es auszusehen hat und lasse es am Ende gerne von meinem Freund umsetzen. (lacht) Manchmal überlasse ich aber auch ihm das Dekorieren. Der Spiegel über dem Servierwagen zum Beispiel war eigentlich woanders geplant, das hat er intuitiv so gemacht und ich finde es toll. Aber natürlich fehlt alles in allem oft die Zeit und manchmal auch die Muße. Deswegen mag ich Homestories so gerne: dann habe ich einen Anreiz, mal etwas neu zu machen.
Gab es ein Suchkriterium bei der Wohnungssuche, das dir besonders wichtig war?
Eine offene Wohnküche! Badewanne und Balkon waren mir egal – auch wenn das natürlich zusätzlich schön ist – aber die offene Wohnküche war wichtig. Das hat sich jetzt schon bewährt, diese riesige offene Fläche, vor allem als Familie.
Was sind die Schwierigkeiten beim Einrichten so offener großer Räume?
Die Möbelgröße. Ich weiß noch, als wir eingezogen sind, stand hier das kleinste Sofa im größten Wohnzimmer der Welt, weil ich vorher viel kleiner gewohnt und erstmal die alten Möbel mitgenommen habe. Es hat sich monatelang hingezogen, bis es gepasst hat, aber es ist ja auch schön, dass Einrichten ein Prozess ist und sich Sachen immer wieder verändern.
Ist man beim Einrichten irgendwann fertig?
Ich will gar nicht fertig sein. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie man in einer fertigen Wohnung lebt. Noch weniger kann ich mir vorstellen, wie man tatsächlich – wenn man viel Geld hat und viel beschäftigt ist – jemanden zu sich kommen und sich alles fertig machen lassen kann und dann genau so lebt.
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Du kaufst viel Second-Hand, vieles in deiner Wohnung ist aber auch zeitgenössisches Design und neu. Was ist dein Geheimrezept für die richtige Balance? Du plädierst für mehr Mut und Farben? Was ist dein ultimativer Styling-Tipp, was geht immer?
Das ganze Interview kannst du bei femtastics lesen.
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