Von 3.689 auf 21 Bilder: Warum ich meinen Insta-Feed minimiert habe

Foto: Tayler Smith , Instagram @katjaschweitzberger
Wer in seinem Leben noch nicht gedetoxt hat, hat nicht unbedingt etwas verpasst. Zu dieser wilden Aussage lasse ich mich nach diversen Juice-Cleanses, einem Zuckerverzicht und zwei Offline-Wellness-Wochenenden hinreißen. Trotzdem habe ich mich jetzt entschieden, einen neuen "entgiftenden" Minimalismus-Trend mitzumachen. Übers Wochenende habe ich 3.668 Bilder aus meinem Instagram-Feed archiviert und seitdem fühle ich mich mindestens erleichtert und ein bisschen freier.
Mein erster Post ging am 28. Januar 2011 online und zeigt zwei Cocktails mit Sternfrucht. Das Bild ist natürlich eingerahmt, quadratisch, schön vintage verfärbt und hat ganze zwei Likes abgesahnt. Kein Wunder also, dass ich direkt angefixt war bei so viel bestätigendem Feedback. Am Anfang habe ich Schnappschüsse mit Freunden oder Lieblingsorte geteilt. Als mein ein Jahr zuvor gestarteter Blog zu wachsen begannn, kam der Austausch mit Followern hinzu. Steht mir das Kleid? Brauche ich die Tasche? Und was denkt ihr eigentlich so über Frozen Yogurt? Deep geht anders. Das war allerdings gar nicht mein Anspruch und irgendwann ging es mir wohl mehr darum, mich in beruflicher Hinsicht zu profilieren, selten zu positionieren und manchmal mein Ego zu kraulen (oder eben kraulen zu lassen – danke dafür!). Schöne Bilder von Events, aus dem Alltag oder von Reisen zeigen meinen Blickwinkel auf die Welt, dachte ich mir. Und das bisschen Selbstbestätigung habe ich nebenbei gern mitgenommen. 1000 Likes, 14 Emojis und 8 Komplimente sind schon ok. Wie viel Zeit ich jedoch für Spiegelselfies verschwendet habe, darf ich mir nicht bewusst machen.
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Eigentlich hätte ich meine App-Gewohnheiten bereits hinterfragen sollen, als ich zum ersten Mal meine Augenringe für zu wenig Likes verantwortlich gemacht habe. Gerne rede ich mir ein, dass dieses Feedback keine Rolle spielt. Doch nach sieben Jahren App-Geschichte und generellem Digital-Native-Dasein bin ich mir bewusst, dass ich mir aus der Meinung dieses Internets vielleicht doch etwas mache. Mittlerweile sinkt ihre Bedeutung jedoch für mich, denn letztlich ist das, was ich auf Instagram teile, nur ein Bruchteil meiner Persönlichkeit und meistens oberflächlich noch dazu. Sicher könnte ich die App anders nutzen, doch da ich im Job bereits um die 50 Stunden wöchentlich auf einen Bildschirm starre, verbringe ich meine Freizeit gern anderweitig. Und da empfinde ich nicht das Bedürfnis viel zu teilen.
Hinzukommt die Werbung, die ich auf Instagram gemacht habe und sicher in Zukunft manchmal noch machen werde. Ein paar Follower fragen sich vielleicht doch, wo ein Produkt herkommt. Außerdem verlinke ich gerne Nachwuchslabels, spannende Projekte, anspruchsvollen Content, Freunde, Credits und und und. Letztlich verbringe ich privat jedoch kaum noch Zeit auf Instagram. Für R29 nutze ich die App zur Recherche. In meiner Freizeit bin ich kurz davor, ganz Schluss zu machen. Doch dafür geht es schon zu lange. Immer diese Gewohnheiten.
Natürlich hätte ich mir deswegen nicht die Arbeit machen müssen, 3.000 Bilder zu archivieren. Doch es hat gut getan, all das Vergangene Revue passieren zu lassen und die Zeitreise hat sogar Freude gemacht. Zu wissen, dass nun niemand mehr Einblick in meine Urlaube vor fünf Jahren hat, finde ich befreiend. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass sich jemand die Arbeit macht 389 Bilder durchzuscrollen. Dennoch gehören diese Aufnahmen, Momente und Erinnerungen nur mir. Jetzt habe ich das Bild, das sich jemand von mir macht, wieder im Griff. Oft habe ich das Gefühl, dass viele den Insta-Auftritt mit der echten Person gleichsetzen. Das war sowieso nie mein Anspruch. Von meinem Exfreund wurde mir Ignoranz und Rücksichtslosigkeit vorgeworfen, als ich kurz nach der Trennung ein lächelndes Bild von mir bei der Fashion Week gepostet habe. Dass man im Beruflichen die privaten Probleme außen vor lässt, lassen will, lassen muss, kennt sicher jede*r. Und dahin wird sich mein Insta-Stream weiterentwickeln: Regelmäßig die Artikel teilen, auf die ich stolz bin, ab und an ein Schnappschuss von meinen Outfits, Reisen, Erlebnissen, das reicht dann aber auch. Mehr als 20 Bilder und ein paar Highlights brauche ich dafür nicht.
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