Feminismus: Männer, lackiert euch die Fingernägel!

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Foto: Mike Garten
„Ich trage gerne Unisex-Kleidung“, ist ein Satz den ich im Laufe meines Lebens nicht selten von mir gegeben habe. Eine persönliche Revolution, eine Bereicherung, ein erster Schritt aus dem Patriarchat. Eine Aufschmelzung der Geschlechterstereotype war das Unisex, das unter Anderem durch den Skandinavien-Hype und der Normcore-Bewegung vor vielen Jahren nach Deutschland kam. Was ich zu dieser Zeit außer Acht ließ war, dass Unisex in der Mode eigentlich nur hieß, dass Frauen sich anziehen wie Männer. Weg von der Körperbetonung, hin zu weiter Kleidung. Frauen ließen von ihrer stereotypisierten Weiblichkeit in den Outfits ab und kleideten sich nach dem Prinzip der stereotypisierten Männer: Jeans, T-Shirt, Sneaker.
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Wenn ich mal Männer in stereotypischer Frauenmontur sehe, ist entweder Fasching oder Christopher Street Day. Männer in Miniröcken, Spaghettiträgertops, Kleidern oder High Heels sind verkleidet, gay oder trans – und nicht „unisex“. Sobald Männer ihrer Uniform, bestehend aus Jeans, T-Shirt, Hemd und Sweater, abfallen, müssen sie größtenteils einen Standpunkt vertreten, eine Rebellion verfolgen oder sich einer Sexualität zuordnen. Unisex ist noch überhaupt nicht unisex, denn eigentlich sollte der Begriff der geschlechterentkoppelten Kleidung für beide Geschlechter gelten, oder?
In der Mode sind Frauen den Männern ziemlich voraus. Sie können sich kleiden und ausdrücken wie sie möchten, ohne direkt in eine Schublade gesteckt zu werden. Ich kann also am einen Tag in einem riesigen, karierten Anzug in die Arbeit kommen und am nächsten Tag im Minikleid und Ballerinas Eis essen gehen. Keinen interessiert es. Keiner fragt mich, ob ich gay bin, wenn ich eine „Boyfriend-Jeans“ trage und gleichzeitig kann ich lesbisch sein, auch wenn ich Lippenstift und High Heels mag. Bei Männern sieht die Welt aktuell noch anders aus.
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Selbst im weltoffenen Berlin, in der sich gefühlt kein Mensch für die Outfits des jeweils anderen interessiert und in der dementsprechend der modischen Freiheit keine Grenzen gesetzt sind, sieht man selten bis nie Hetero-Männer, die Miniröcke tragen, Lippenstift, High Heels oder Baguette Taschen. Doch eine Kleinigkeit ist mir hier in Berlin aufgefallen, die immer mehr die Runde zu machen scheint: Nagellack.
Nagellack ist nach der Farbe „Rosa“ und der „Metrosexualität“ à la David Beckham die nächste kleine Mode-Rebellion der männlichen Heteros, die sich ihrer äußerlichen Stereotype hinweg setzen möchten. Ein bisschen Lächerlich war der metrosexuelle Aufschrei damals ja schon, der im Grunde einfach nur heterosexuelle Männer beschrieb, die sich für ihren Kleidungsstil und Körperpflege interessierten. Selbst das, was heute selbstverständlich ist und definitiv kein Kennzeichen sexueller Vorlieben, war noch vor zehn Jahren so neu, dass es den Namen „Metrosexualität“ bekam. Und schon wieder wurde damit ein modisches Bedürfnis des Mannes mit einer „Sexualität“ betitelt. Absolut unnötig und die falsche Richtung.
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Dabei wäre es doch langsam mal an der Zeit, dass sich der Mann modisch entfalte, ohne damit ein Statement zu setzen, kategorisiert zu werden, oder einen Namen zu bekommen. Ist die Welt immer noch nicht bereit für Männer, die sich schminken und tatsächlich UNISEX kleiden, ohne eine Rebellion zu verfolgen oder eine sexuelle Vorliebe zu verkörpern?
Vielleicht bald. Jetzt, wo ich immer mehr Männer mit blauen, schwarzen, roten, metallischen, und glitzerfarbenen Nagellacken auf der Straße sehe, entfunkt nun wieder das kleine bisschen Hoffnung, das in der Mode auf mehr Vielfalt wartet. Bis dahin sei von meiner Seite aus gesagt:
Männer, lackiert euch die Fingernägel!
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