Queere Charaktere in Disney-Kinderfilmen

Kinder verdienen Märchen und Geschichten, die das gesamte Spektrum der menschlichen Liebe zeigen. Das US-amerikanische Videoportal Hulu sorgt dafür, dass dieser Traum endlich wahr wird. Bereits im Jahr 2015 hat der Video-on-Demand-Service mit The Bravest Knight Who Ever Lived einen achtminütigen Kurzfilm veröffentlicht, der zwar die Form eines klassischen Märchens aufweist, inhaltlich aber eine queere Wendung nimmt: Dem jungen, queeren Kürbisfarmer Cedric bietet sich die einmalige Chance, ein wahrer Held zu werden. Er rettet eine Prinzessin und einen Prinzen und muss sich am Ende fragen, für wen der beiden sein Herz wirklich schlägt. Der Kurzfilm basiert auf der Geschichte des Kinderbuchautors Daniel Errico, der gegenüber der Huffington Post kritisierte, dass „LGBT-Beziehungen in Kinderfilmen in der Regel vermieden oder als unangebracht abgestempelt werden.“ Es ist ihm wichtig, dass „Kinderfilme und -serien ihnen diese Welt fördernd und positiv näher bringen und multidimensionale LGBT-Charaktere erschaffen.“

Nur ein Jahr später bringt Errico gemeinsam mit Hulu seine zweite queere Liebesgeschichte auf den Markt. In Rosaline wird eine junge Magd porträtiert, die sich auf den Weg macht, ihrem Liebling einen Korb voll Leckereien zu bringen. Während ihrer Reise durch den magischen Wald trifft sich auf typische Märchenwesen wie eine Hexe, einen Wolf und eine gute Fee. Ganz und gar nicht typisch für das bis hierhin klassisch verlaufende Märchen: Rosalines Liebling ist eine Frau. Jedes Hindernis, das sich ihr in den Weg stellt, meistert Rosaline mit Bravour. Als die gute Fee ihr anbietet, Rosaline einen Prinzen zu zaubern, der sie rettet, lehnt Rosaline höflich, aber bestimmt ab: „That's kind of you to offer, but you haven't seen my dreams. Every person's wish is theirs and it's not always what it seems."

Der Zeichentrick, der während des LGBT Pride Monats erschien, ist auch eine Antwort auf die Forderung, Disney möge Elsa, der Heldin aus Frozen, in der Fortsetzung des erfolgreichen Films eine Freundin geben. Unter dem Hashtag #GiveElsaAGirlfriend unterstützten Frozen-Fans in den letzten Monaten unnachgiebig ein Vorankommen der LGTB-Repräsentation in Kinderfilmen. Elsa wäre damit tatsächlich die erste queere Prinzessin in der Geschichte von Disney – mehr als Andeutungen und Spekulationen, was die queere sexuelle Identität mancher Charaktere betrifft, waren beim US-amerikanischer Medienkonzern bisher nicht drin. Auch wenn es in Elsas Fall bisher lediglich bei der Forderung nach einer queeren Heldin gebelieben ist, gilt Frozen schon heute als einer von Disneys LGBT-freundlichsten Filmen. Viele Zuschauer interpretieren Elsas Kräfte und die Notwendigkeit, sie zu verstecken, als Metapher für queere Identität und Coming-out. Zudem ist Jonathan Groff der erste geoutete queere Schauspieler, der mit Kristoff einer männlichen Disneyhauptrolle seine Stimme leihen darf.

Nicht nur Frozen bietet Raum für Spekulationen. Auch andere Disneyfilme zeigen bei genauerer Betrachtung queere Helden und Heldinnen – und natürlich auch Bösewichte.


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