Jella Haase gibt in 25 km/h genauso Vollgas, wie gegen Hass

Keinen Kontakt mit seinen Geschwistern zu haben, sich auseinanderzuleben, so lange Zeit verstreichen zu lassen, dass man gar nicht mehr wüsste, was nach Hallo kommen soll: Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) leben in dieser traurigen Realität, die für viele unvorstellbar ist. Bis ihr Vater stirbt, sie ihre Aggressionen auf den jeweils anderen mit Fäusten ablassen und anfangen, einander zu vergeben. Dann geht alles so schnell, dass sie nicht einmal Zeit haben, ihre Traueranzüge gegen Kleidung zu tauschen, die sich besser für einen Roadtrip mit den Mofas aus ihrer Jugend eignen würde. Währenddessen erleben der von seiner steilen Karriere überforderte Christian und sein gemütsarmer, im Heimatdorf lebender Bruder Georg vieles, was zusammenschweißt. Eine Person, die ihnen dabei hilft, ist beispielsweise Willie (Jella Haase), die das Duo mit zum Wurzel-Festival nimmt und die erwachsenen Männer zum Nachdenken anregt. Zugegeben, das macht auch der MDMA-Trip, den sie sich beim Tanzen ums Lagerfeuer gönnen. Wir haben Jella mit auf unser imaginäres Mofa genommen und uns ganz ohne bewusstseinserweiternde Substanzen mit ihr über Spirituelles und Physisches unterhalten.
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Refinery29: Im Film spricht deine Figur über Zufälle. Glaubst du selbst auch daran?
Jella Haase: Ich glaube an eine Art universelle Ordnung, die uns in die für uns vorgesehenen Bahnen lenkt. Wenn Menschen in den absurdesten Situationen aufeinander treffen, ist das für mich ein Zufall. Obwohl… Man könnte auch von Schicksal sprechen.
Vielleicht war es auch Schicksal, dass du in 25km/h mitspielst? Du hast ja eine sehr enge Verbindung zu deiner Schwester, anders als die beiden Brüder zu Beginn. Christian hat eine steile Business-Karriere hingelegt, Georg hingegen ist im Heimatdorf geblieben. Erst auf einen Trip mit den Mofas aus ihrer Jugend nähern sie sich wieder an. Wer von euch ist Georg und wer ist Christian?
Natürlich sind die Charaktere sehr zugespitzt, aber es gibt auch bei uns tatsächlich den strukturierten Macher und den genügsamen Chaoten, wenn auch nicht klar trennbar. Meist ist es aber doch so, dass meine Schwester die geradlinigere und ordentlichere von uns beiden ist. Manchmal weiß ich gar nicht wo mir der Kopf steht und bin ein kleiner Wusel.
In 25 km/h will Christian unbedingt raus aus dem hektischen Job und gibt den Impuls zum Trip. Wer würde bei euch die Initiatorin sein?
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Heute.Premiere.@25kmhfilm

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Der Impuls würde wohl eher von mir kommen, also genau konträr zum Film. Einfach weil ich berufsbedingt längere freie Perioden habe. Meine Schwester hingegen macht eine Ausbildung. Da kann man nicht einfach abhauen. Das gibt in der Realität richtig Ärger, wie man bei Christian sieht aber ich will nicht zu viel spoilern.
Wart ihr denn schon einmal zusammen on the road?
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Ja, wir haben zusammen mit Freunden einen Bulli gemietet und haben Australien bereist. Es ist erstaunlich, wie eng eine solche Tour zusammenschweißt und wie gleichzeitig durch eine, besonders über einen langen Zeitraum zurückgelegte Strecke auch eine Weite im Kopf entsteht. Es dauert eben auch einige Wochen, bis der Kopf Ruhe findet, sich Mechanismen tatsächlich ändern und man sich dieser Pause vom Leben hingeben kann. Wenn ich jetzt so darüber spreche, habe ich Lust direkt wieder loszufahren.
Urlaube oder Trips sind wahrscheinlich eher die Seltenheit, oder? Wie oft sieht du deine Liebsten im Alltag?
Zum Glück wohnt meine Familie auch in Berlin, von daher sind regelmäßige Besuche easy mit meinem Alltag zu vereinen. Wir haben täglich Kontakt, kümmern uns viel um unsere Großeltern und sind allgemein eine wilde Bande. Ich schlafe sogar auch ab und zu bei meinen Eltern. Für mich ist diese Dynamik manchmal fast schon selbstverständlich, aber ich weiß auch, dass wir besonderes Glück haben.
Im Kontrast zum Privaten stehen in der heutigen Zeit, besonders bei Stars, die Sozialen Medien. Sicher kommen viele Fans auf dich zu und fragen dich nach Selfies, was ja die neuen Autogrammkarten geworden sind. Wie gehst du damit um?
Darüber denke ich viel nach. Wenn ich privat mit meinen Freund*innen unterwegs bin, möchte ich ehrlich gesagt keine Fotos mit fremden Menschen machen. Für mich ist das alles sehr absurd. Nur weil jede*r eine Kamera in der Hosentasche hat, bedeutet das nicht, dass ich damit einverstanden bin fotografiert zu werden. Ich möchte mir das bewahren auch eine private Person sein zu dürfen. Mit meiner Liebe zu meinen Fans hat das absolut nichts zu tun – das ist so ein Zwiespalt! Werde ich in solchen Situationen angesprochen, werde ich sehr unsicher und weiß nicht, was die beste oder richtige Reaktion ist.
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Auf deinem Instagram-Profil findet man eher Posts, die zum Protestieren und Positionieren anregen, als gestellte Kaffee-trink-Fotos. Betreibst ganz bewusst Aktivismus für Bewegungen wie #MeToo, #TimesUp und #WirSindMehr?
Klar, denn auf der anderen Seite sehe ich die Sozialen Medien als Chance, viele Menschen mit wichtigen Themen zu erreichen. Ich positioniere mich ganz bewusst gegen Fremdenhass oder sexuelle Gewalt und für mehr Toleranz und Verständnis untereinander. Ich möchte mit meinen Posts nicht zeigen, wie anders oder glamourös mein Leben ist, sondern eher dazu animieren, protestieren zu gehen.
Was bekommst du darauf für Reaktionen von deinen Fans?
Zum Großteil bekomme ich positives Feedback, aber es gibt leider auch Negativbeispiele. So habe ich auf einen Facebook-Post, dessen O-Ton 'beschützt Menschen und nicht Grenzen' war, ganz üble Nachrichten bekommen, in denen Sätze standen wie 'ich beschütze lieber mein Vaterland‘. Das zeigt mir aber nur noch deutlicher, wie wichtig es ist, sich zu positionieren. Jetzt zum Kinostart zeige ich natürlich auch etwas mehr Privates, wie Fotos vom Set.
„25 km/h“, die etwas andere Familiengeschichte von Christian und Georg gibt es ab sofort in den deutschen Kinos zu sehen.
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