Was uns diese Filmszenen zum „ersten Mal“ wirklich sagen wollen

Es gibt jede Menge Filme da draußen, die sich mit dem ersten Sex beschäftigen. Woran das wohl liegen mag? Das erste Mal ist immer spannend und wir alle können uns wohl mehr oder weniger mit den Protagonist*innen identifizieren. Denn obwohl dieses Thema so persönlich ist, ist es eben auch gesellschaftlich ein ziemlich großes Ding.
In Hollywood wird mit dem Verlust der „Jungfräulichkeit“ durchaus unterschiedlich umgegangen. In manchen Filmen geht es einfach nur darum, endlich Sex zu haben, um es den Kumpels erzählen zu können, in anderen wird Frauen nahezu davon abgeraten, vor der Ehe überhaupt mit jemandem zu schlafen. Zwischendrin gibt es aber glücklicherweise auch immer mal wieder den Versuch, das erste Mal so darzustellen, wie es in der Realität oftmals ist: komisch, aufregend, unangenehm, schön und liebevoll zugleich.
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Wir haben einige der berühmtesten Sexszenen der Filmgeschichte nochmal angesehen und dekodiert, welche (versteckten) Botschaften eigentlich hinter der Geschichte stecken.
1 von 8
Ich glaub’, ich steh’ im Wald (1982)

Um wen geht's: Stacy (Jennifer Jason Leigh)

Die Szene: Auf der Suche nach sexuellen Erfahrungen trifft sich die 15 Jahre alte Stacy mit einem älteren Mann namens Ron in einer Mall, verschweigt aber ihr wahres Alter. Sie fahren zusammen zu The Point, einem stadtbekannten Ort, an dem Paare ungestört Sex haben können. Ihre sexuelle Begegnung wird ziemlich schrecklich.

Was soll uns diese Szene sagen? Viele Teeniefilme drehen sich um Jungscliquen, deren großes Ziel es ist, ihr erstes Mal zu haben. Das ist dann immer ein Riesenerfolg. Für Stacy in Ich glaub’, ich steh’ im Wald bedeutet der Verlust ihrer „Unschuld“ nichts als Schmerzen und Risiko. Von Spaß kann da wirklich nicht die Rede sein. Nach dem Sex will Ron nichts mehr von ihr wissen und sie verstrickt sich in eine Affäre mit einem Mann, von dem sie ungewollt schwanger wird.

Die Message dieses Films: Für Männer ist Sex super und ohne irgendwelche Konsequenzen, Frauen hingegen sollten sich bloß in Acht nehmen, mit jemandem zu schlafen. Nicht nur, dass es keinen Spaß macht, sie werden außerdem eh nur benutzt und sitzen am Ende alleine mit einem Kind da. Hoffentlich können wir diese Doppelmoral im Jahre 2019 endlich dahin packen, wo sie hingehört: in die Mottenkiste.
2 von 8
American Pie (1999)

Um wen geht's: Jim (Jason Biggs), Kevin (Thomas Ian Nicholas), Oz (Chris Klein) und Finch (Eddie Kaye Thomas). Sie alle schwören feierlich, am Ende der Highschoolzeit Sex gehabt zu haben.

Die Szenen: Am Abend des Abschlussballs haben sie natürlich alle Sex. Ein Glück.

Was soll uns diese Szene sagen? Der ganze Film vermittelt uns, Sex zu haben sei so etwas wie die Eintrittsvoraussetzung in die Uni. Darüber hinaus vermittelt er uns, Sex sei ein Spiel für Jungs und darf jeden Quatsch enthalten, den die pubertären Hormonbolzen sich so vorstellen. Die Partnerin, der Partner oder gar ihre Wünsche sind zweitrangig. Hauptsache, es gibt ein Sexvideo. Ernsthaft?
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3 von 8
Love & Basketball (2000)

Um wen geht's: Monica (Sanaa Lathan)

Die Szene: Nachdem ihnen vor lauter Aufregung die Worte fehlen, bringen Monica (Sanaa Lathan) und Q (Omar Epps) ihre langjährige Beziehung auf ein neues Level.

Was soll uns diese Szene sagen? Für ein junges Paar kann das erste Mal eine fast heilige Erfahrung sein. Dieser Film schafft es im Gegensatz zu vielen anderen, dieses besondere Erlebnis nicht herunterzuspielen. In dieser Szene schauen sich Monica und Q mit dieser Mischung aus Ehrfurcht, Verehrung und Verspieltheit an, die viele von uns kennen werden. Als ihr Vorspiel dann davon unterbrochen wird, dass Q erstmal ein Kondom holen muss, sind wir vollkommen in der Realität angekommen. Und zwar auf eine gute Art und Weise. Dieser Film schafft es, zwei Menschen zu zeigen, die diese große Schwelle zum Erwachsenwerden gemeinsam und liebevoll miteinander überschreiten.
4 von 8
Jungfrau (40), männlich, sucht … (2005)

Um wen geht's: Andy (Steve Carrell)

Die Szene: Mit 40 Jahren beschließt Andy, endlich Sex zu haben. Nach dem ersten Mal mit seiner neuen Frau Catherine Keener fragt sie, wie es für ihn gewesen ist. Andy fängt daraufhin an, Aquarius aus Hair zu singen und die Szene wandelt sich zu einem Sechziger-Jahre-Musikclip.

Was soll uns diese Szene sagen? Andy hat allen Grund zu feiern. Er hat eine tolle Frau gefunden und hatte endlich Sex. Klar, dass er glücklich ist. Um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, eignet sich dieses Lied besonders gut.
5 von 8
Juno (2007)

Um wen geht's: Juno (Ellen Page) und Paulie (Michael Cera)

Die Szene: Paulie sitzt auf einem LA-Z-Boy und wartet darauf, dass Juno zu ihm kommt. Dann sagt er: „Das habe ich mir schon sehr lange gewünscht.“

Was soll uns diese Szene sagen? Die Szene an sich ist ja süß. Doch der erste Sex hat verheerende Auswirkungen für Juno: Sie wird schwanger und entschließt sich, ihr Kind zur Adoption freizugeben. Was uns diese Szene lehrt, ist, dass es zwar schön ist, sich auf den Sex miteinander zu freuen, dass dazu aber auch gehört, sich um die Verhütung zu kümmern. Und zwar für beide Partner*innen.
6 von 8
Endless Love (2014)

Um wen geht's: Jade (Gabriella Wilde)

Die Szene: Jade verliert ihre Unschuld an David (Alex Pettyfer). Das Setting: zwei Kissen vorm Kaminfeuer. Ja, wirklich.

Was soll uns diese Szene sagen? Diese Szene schreit Klischee-Teeniefilm. Der Sex ist irgendwie platonisch, die Musik ist kitschig und Körperflüssigkeiten, die Flecken hinterlassen könnten, sind nicht vorhanden. Genauso wenig wie seltsame, peinliche Momente, die es in der Realität ja durchaus mal gibt, wenn zwei Menschen sich so nahe kommen. Diese Szene suggeriert, dass Sex keimfrei und perfekt ist und dass es sich am besten zu Geigenmusik miteinander schlafen lässt. Da ist die Enttäuschung fürs echte erste Mal ja eigentlich vorprogrammiert.
7 von 8
The Spectacular Now (2014)

Um wen geht's: Amy (Shailene Woodley)

Die Szene: Sutter (Miles Teller) und Amy (Shailene Woodley) sitzen sich nervös auf einem Bett gegenüber und fangen irgendwann an, sich auszuziehen. Die beiden Teenager sind so aufgeregt, gespannt und ängstlich, es zerreißt einem fast das Herz.

Was soll uns diese Szene sagen? Der erste Sex ist ein Übergangsritual. Und er kann ein schönes Erlebnis sein, das ganz ohne Kitsch auskommt. Diese Szene passiert so oder so ähnlich wahrscheinlich jeden Tag mehrmals in irgendwelchen Vorstadtsiedlungen.
8 von 8
Lady Bird (2017)

Um wen geht's: Lady Bird (Saoirse Ronan)

Die Szene: Lady Bird (Saoirse Ronan) glaubt, in Kyle (Timothée Chalamet) ihren intellektuellen Counterpart gefunden zu haben. Sie verliebt sich in den mysteriösen Neuen, der so scheint, als würde er nur darauf warten, endlich Philosophiestudent zu werden. Als sie miteinander schlafen, scheinen sich Lady Birds Träume endlich zu erfüllen. Doch leider stellt sich nicht nur heraus, dass er im Gegensatz zu ihr schon längst Sex hatte, sondern dass er vor allem auch nicht in sie verliebt ist. Die Enttäuschung ist perfekt.

Was soll uns diese Szene sagen? Das erste Mal hält bei weitem nicht immer, was es verspricht. Sex bedeutet für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Dinge. Während Lady Bird sich durch den Sex einen emotionalen Durchbruch mit Kyle erhofft hat, bedeutet das Erlebnis für ihn einfach nicht besonders viel. Auch nachdem sie miteinander geschlafen haben, bleibt er ihr gegenüber gleichgültig.
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