„Lebe das aus, was dir Spaß macht!“ – Anne Dirfard von @170qm

Dieser Artikel erschien zuerst bei femtastics in Zusammenarbeit mit OTTO / Instagram / Facebook
Lange wusste Anne Dirfard nicht, was ihr Steckenpferd ist und ließ sich bei vielen beruflichen Entscheidungen von außen beeinflussen. Bis 2017, als sie sich dazu entschloss, nicht in ihren Beruf als Grafikerin zurückzugehen, sondern ihre Leidenschaft für Interior zum Beruf zu machen. Sie startete mit dem Instagram-Account @170qm, der mittlerweile mehr als 50.000 Follower hat, setzte ein Blog für Wohnen auf und bietet seit ein paar Monaten Einrichtunsgberatung an. Wir haben die 31-jährige Zweifach-Mama zusammen mit Otto in ihrer schönen 5-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel besucht und mit ihr über Mut, den Weg zum Glück im Beruf und Einrichtungs-Tricks gesprochen.
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femtastics: Auf deinem Blog schreibst du in einem Artikel “Ich bin ein Schisser und habe mich selten was getraut.” Woran liegt das?
Anne: Das ist eigentlich immer noch so, ich traue mich oft nicht. Ich weiß nicht genau warum, ich glaube, es ist ein Stück weit mangelndes Selbstbewusstsein. Ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich habe ganz oft bei banalen Dingen Angst davor, nachzufragen.
2017 hast du dich dann aber doch getraut und dich selbstständig gemacht. Gab es einen bestimmten Wendepunkt in deinem Leben?
Letztes Jahr im Februar war klar, dass ich nach meiner Elternzeit nicht mehr zurück in die Werbeagenturgehen würde, wo ich als Grafikerin arbeitete. Stattdessen begann ich mich umzuorientieren.
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Wie bist du beim Start deiner Selbstständigkeit vorgegangen?
Ich fahre dreigleisig: Ich mache Einrichtungsberatung, bin Interior-Bloggerin und Grafik-Freelancer. Ich habe einen Businessplan geschrieben und wollte eigentlich den Gründungszuschuss beantragen. Das hätte wohl auch geklappt, wenn ich nicht eine falsche Info zum Abgabetermin bekommen hätte. Ich war dann leider zu spät und man konnte nichts mehr machen.
Wie bist du mit den Themen Bloggen und Instagrammen in Berührung gekommen?
Als ich 2016 in diese Wohnung eingezogen bin, haben alle Freunde gesagt, dass ich etwas damit machen muss. Auch da habe ich mich zunächst nicht getraut, musste mich wieder dazu durchringen und habe erstmal niemanden aus meinem Umfeld erzählt, dass ich einen Instagram-Account angelegt habe, auf dem ich unsere Wohnung zeige. Bis eine Freundin mich dort nach ein paar Tagen zufällig entdeckte. Erst dann habe ich es meinem Mann erzählt! (lacht). Letzten Sommer stiegen dann die Follower-Zahlen und ich habe zusätzlich ein Blog erstellt. Ich habe mich dann komplett darauf fokussiert, weil ich dachte, dass es ein gutes Sprungbrett sein kann, um Einrichtungsberatung, die ich gerne machen wollte, anzubieten.
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Ist dein Plan aufgegangen?
Ja, das Internet öffnet einem viele Türen, die man vorher nicht gesehen hat. Ich hatte erst 2.000 Follower bei Instagram, da kam schon die erste Anfrage von einer Followerin aus Hamburg: “Ich finde es so toll, wie du wohnst, willst du nicht mal vorbeikommen und mir Tipps geben? Ich bezahle dich auch!” Das war krass, da habe ich gemerkt, dass der Markt dafür da ist. Die Leute wollen keinen Innenarchitekten buchen, weil sie Angst haben, dass er ihnen eine Rechnung von über 1.000 Euro auf den Tisch legt. Sie wollen ganz einfach von jemandem beraten werden, bei dem sie wissen, wie er eingerichtet ist und sie sehen, der oder die hat einen guten Geschmack und ein Händchen dafür – die Ausbildung dahinter ist ganz egal. Außerdem häufen sich bei mir mittlerweile auch die Kooperations- und Projektanfragen für mein Blog und Instagram – ich musste sogar schon freie Jobs als Grafikerin absagen.
Auf deinem Blog hast du in einem Artikel geschrieben, dass du lange nicht wusstest, was dein Steckenpferd ist, aber gefühlt alle deine Freunde eins hatten. Hast du einen Tipp für andere Frauen und Männer, wie man sein Steckenpferd finden kann?
Das, was einem Spaß macht, sollte man in irgendeiner Form ausleben. Ich habe schon immer meine Wohnung gerne eingerichtet, Möbel verschoben und renoviert. Aber ich bin nach meinem Studium und meiner Beruftätigkeit nie auf den Gedanken gekommen, mich umzuorientieren und das zum Beruf zu machen. Ich hatte Lust, bei anderen etwas zu machen, aber da kommt man als Quereinsteigerin ja nicht einfach so rein.
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Du hast Digitale Medienproduktion in Köln studiert und danach neun Jahre als Grafikerin gearbeitet, hättest eigentlich aber viel lieber Innenarchitektur studiert. Würdest du das heute anders machen?
Ich glaube schon. Ich war auch da so ein Schisser, habe mit Architekten gesprochen und mit einem Dozenten, der meinte, die Studiengänge seien total überlaufen, ich müsse eine super tolle Mappe abgeben, damit ich überhaupt angenommen werde. Da dachte ich, ich habe ja noch gar keine Ahnung, was soll ich denn in meine Mappe packen? Im Nachhinein denke ich mir, dass die wahrscheinlich nur hätten sehen wollen, dass ich kreativ bin. Damals habe ich mich aber von außen beeinflussen lassen und einen Rückzieher gemacht. Das war die Zeit von Tine Wittler und Co., da wollten alle so etwas machen. Mein damaliger Freund hatte Digitale Medienproduktion studiert, das war auch sehr kreativ, also habe ich erstmal das gemacht. Es war jetzt nicht so, dass ich dachte, ich habe etwas Falsches studiert. Es hat mir Spaß gemacht, es ist kreativ, und ich arbeite immer noch gerne in diesem Bereich.
Hast du schon mal darüber nachgedacht, einfach noch etwas im Interior-Bereich zu studieren? Das machen mittlerweile ja viele Thirty- und Fourty-Somethings …
Studieren möchte ich nicht, ich schaue im Moment aber schon, was man in der Richtung machen könnte. Das geht aber mehr in Richtung Stylistin. Ich merke selber, dass es mir manchmal schwer fällt, bestimmte Dinge zu arrangieren. Ich habe ein gutes Gefühl fürs gesamte Ganze, bei Kleinigkeiten fällt es mir manchmal schon schwerer. Ich würde gerne noch mehr in die Materie einsteigen. Doch damit möchte ich noch etwas warten, bis meine Kinder etwas größer sind.
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Weißt du schon, was du deinen Kindern mit auf den Weg geben möchtest, wenn sie vor der Berufswahl stehen?
Ja, ich bin nicht die Mutter, die sagt: Lerne etwas Ordentliches! Ich glaube, wenn man etwas macht, was einem Spaß macht, wird man ein glücklicherer Mensch. Ganz egal, was nachher die Zahl auf dem Konto sagt. Was bringt es, wenn ich unheimlich viel Geld nach Hause bringe, aber immer mit schlechter Laune nach Hause komme und eigentlich total unglücklich bin? Es ist wichtig, glücklich zu sein. Man verbringt so viele Stunden auf der Arbeit, das sollte man nicht vergessen. Ich glaube, wir haben nicht ohne Grund so viele Leute mit Burn-out – man muss gucken, dass es einem gut geht mit dem, was man da tut.
Kommen wir zu deiner Wohnung. Eine Frage, die nahe liegt: Wie findet und bekommt man eine 170qm-Wohnung in Hamburg-Eimsbüttel, die im besten Fall noch irgendwie bezahlbar ist?
Wir haben nach Wohnungen geguckt, ab 90 bis 120 Quadratmetern, haben aber immer nur Absagen bekommen. Bis ich irgendwann einen netten Makler an der Hand hatte und ihn gefragt habe, was wir denn machen müssten? Mein Mann und ich haben beide verdient, daran kann es nicht gelegen haben. Er hat gesagt: “Ihr habt zwei Kinder und einen Hund, und wenn die Kinder in die Schule kommen, möchtet ihr für jedes ein eigenes Zimmer und zieht dann wieder aus. Vermieter wollen aber langfristige Mieter haben!” Er hat uns geraten, entweder weiter raus zu ziehen oder etwas Größeres zu suchen. Also haben wir etwas Größeres in die Suchmaschinen eingegeben und erstmal die Ohren angelegt. Wir haben gesucht und gesucht, und anderthalb Jahre später ist uns die Wohnung hier aufgefallen. Lotte saß beim Treffen mit dem Makler in so einem Hängesessel, wie ich ihn auch habe, und hat gesagt: “Mama, hier möchte ich wohnen!” Da hat der Makler am nächsten Tag angerufen und gesagt: “Sagen Sie mal ihrer Lotte, dass sie hier wohnen darf!” Tatsächlich haben wir auch echt Glück, wir bezahlen hier nicht so viel, wie es sonst in diesem Viertel für so eine Wohnung üblich ist, das hätten wir auch nicht gemacht. Ich glaube, die Wohnung hat uns gefunden.
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Wenn man ein Bild mit dem Baumwall-Schild bei Instagram sieht, weiß man sofort, dass es deine Wohnung ist. Wo hast du es gefunden?
Ich habe bei einer Werbeagentur am Baumwall gearbeitet. Eines Abends bin ich zur U-Bahn gegangen und wollte nach Hause fahren. Zu der Zeit wurde gerade die Strecke zwischen Landungsbrücken und Rathausmarkt erneuert. Ich stand schon in der U-Bahn und die Jungs haben gerade das Schild abgeschraubt. Da dachte ich, ist das cool, bin wieder rausgesprungen und habe gefragt, was damit gemacht wird. Es sollte tatsächlich in den Müllcontainer. Also habe ich dieses Ding, 25 Kilogramm schwer und total verrostet an den Kanten, durch die U-Bahn geschleppt. Alle dachten, ich hätte das geklaut. Als wenn ich mich abends zum Feierabendverkehr an den Baumwall stellen und da ein Schild abschrauben würde (lacht). Ich habe mich geärgert, dass ich nicht noch mehr mitgenommen habe – du glaubst nicht, wie viele Menschen mir das Schild schon abkaufen wollten!
Von 170 qm auf 50 qm – welche Möbel oder Wohnaccessoires würdest du auf jeden Fall behalten und warum?
Gute Frage … auf das Sideboard, das im Esszimmer steht, würde ich auf keinen Fall verzichten, das ist von meiner Oma. Auch das Baumwall-Schild käme mit. Tatsächlich ist es so, dass an allem, was neu ist, mein Herz nicht hängt. Ich bin keine, die bisher viel Geld für Möbel ausgibt. Ich gucke immer, dass es im Verhältnis steht zu dem, was es ist, weil ich einfach Sachen gerne austausche. Ich habe zwar einen Lieblingsstuhl, aber ich bezahle keine 800 Euro für einen Stuhl, bei dem ich denke: “Oh Gott, Kinder, fasst den nicht an!” Und für den Preis bekäme ich ihn auch nicht wieder verkauft, wenn ich doch einen andern haben möchte. Da bin ich eher pragmatisch und praktisch.
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Gibt es Interior-Regeln, die man befolgen, Trends, die man beachten sollte? Welche Instagrammer kannst du empfehlen? Das ganze Interview liest du bei femtastics.
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