Sich Wegträumen ist wichtig, aber das Zurückkehren ist noch wichtiger

Wir stehen jeden Morgen auf, spielen Glücksrad vor dem Kleiderschrank und pilgern in Richtung unserer To-dos. Auf dem Fahrrad, mit der U-Bahn oder dem Auto. Brav in Reih’ und Glied, der Tank voll, die Reifen auch und das gültige Ticket in der Tasche. Wir setzen Haken, von neun bis 18 Uhr, versuchen, auch ja kein To-do zu vergessen, damit wir nach getaner Arbeit mit ruhigem Gewissen in der Bar sitzen und am Feierabend schlürfen dürfen – umgeben von lauter geliebten Menschen, die es genauso machen wie wir.
Kennt ihr „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky? Es behandelt genau diese Fragen: Wozu das alles? Worauf arbeiten wir hin? Die Rente können wir eh vergessen, sagen alle. Das Eigenheim? Wer kann sich sowas noch leisten! Und überhaupt, möchte ich in diese verkorkste Leistungsgesellschaft, die sich gerade selbst das eigene Grab schaufelt, überhaupt noch mit Nachwuchs versorgen? Unsere Generation ist so frei und irrt gleichzeitig so ziellos umher, wie keine andere vor ihr. Alte Werte gelten nicht mehr und vierzig Jahre im gleichen Betrieb verbringen klingt doch eher nach Albtraum, denn nach Sicherheit. Nee, nee, da machen wir nicht mit.
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Nur, was suchen wir überhaupt? Wie sollen wir unsere Gedanken sortieren und auf den Punkt kommen, wenn ständig das Smartphone bimmelt, der Feed uns lockt, der Laptop ruft und der Nachbarshund bellt? Kann uns mal bitte jemand sagen, was wir hier eigentlich machen? Setz doch mal die Kopfhörer auf und sperrt das bimmelte Smarthpone, die Emails, den Feed und den Nachbarshund aus und hört zu. Den Menschen, die ihre Gedanken sortiert und zu Blatt gebracht haben, wie Strelecky. Die Gedanken, die wir auch oft haben über all die Dinge, die wir oftmals nicht verstehen. Kopf aus und Hörbuch an.

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