Klarträume: Ab jetzt kannst du selbst bestimmen, was du träumst

Foto: Michael Beckert
Es gibt da diesen Traum, der mich einfach nicht loslässt: Ich muss zu einem Ballettauftritt, über den ich erst kurz vor knapp informiert wurde, aber irgendetwas kommt mir dazwischen. Meistens vergesse ich einen Spitzenschuh. Oder ich kann die Kopfbedeckung meines Kostüms nicht finden. Oder ich kann buchstäblich nicht zum Theater fahren. Der Grund für diesen Traum ist sicher meine generelle Angst, zu spät zu kommen oder unvorbereitet zu sein.
Wie toll wäre es, wenn ich im Schlaf realisieren würde, dass ich nur träume! Ich könnte irgendetwas unternehmen, um die Situation zum Guten zu wenden und dann wären meine Nächte sicher deutlich entspannter und weniger angsteinflößend. Ich könnte so viel Spaß haben und die ganze Nacht im Traum happy durch die Gegend tanzen.
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Was nach einem Hirngespinst klingt, ist für manche tatsächlich Realität. Es soll nämlich Menschen geben, die beeinflussen können, was sie im Traum machen (oder zumindest behaupten sie das). Und das nennt man dann Klar- oder luzides Träumen.

Was sind Klarträume?

Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass du auch schon mal einen Klartraum hattest, aber dir dessen nicht bewusst warst. Laut Studien berichteten etwa 70 bis 80 Prozent der Menschen davon, schon mal einen luziden Traum gehabt zu haben. Häufig treten sie übrigens bei Personen auf, die unter Narkolepsie leiden (einer schlafbezogenen Atmungsstörung, die auch Schlafkrankheit genannt wird), so die National Sleep Foundation.
„Viele von uns hatten schon mal einen Klartraum, aber weil wir nicht so oft über unsere Träume reden, kennen die meisten den Begriff nicht – oder wissen nicht, was dahintersteckt“, erklärt Robert Waggoner, Präsident der International Association for the Study of Dreams und Autor des Buches Klarträume. Wege ins Unterbewusstsein. Vereinfacht gesagt merken wir im Traumzustand, dass wir träumen. In normalen Träumen akzeptieren wir einfach, was passiert. In einem Klartraum ist uns bewusst, dass wir träumen und das erlaubt uns, selbst zu entscheiden, was wir machen und wie wir reagieren. Wir können sogar kleine Experimente machen, so Waggoner. „Du kannst fast alles machen; der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“.

Die Beweislage

Für Skeptiker*innen klingt das Ganze bisher ziemlich abgedreht und unwahrscheinlich. Aber es liegen neurologische Beweise vor, die die Existenz von Klarträume bestärken. Genauer gesagt wurde eine Studie durchgeführt, bei der die Hirntätigkeit von Menschen, die gerade einen luziden Traum haben, durch Elektroenzephalografie gemessen wurde. Während eines normalen Traumes, ruht die Großhirnrinde normalerweise oder ist zumindest nicht sehr aktiv, sagt Waggoner. Doch während eines Klartraums wird der Teil des Gehirns, der für die Selbstbewertung und Entscheidungsfindung zuständig ist, auf einmal aktiv. Luzide Träume sind also ein „Hybrid-Bewusstseinszustand“, weil du weder wach bist, noch träumst. Du bist irgendwas dazwischen.
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Soviel zum Thema wissenschaftlicher Hintergrund, aber jetzt noch mal zur Realität: Die eigenen Träume kontrollieren zu können, klingt schon ganz schön cool, oder? Ich meine, dass ist ja fast so als hättest du übermenschliche Kräfte. Auf Reddit berichten Leute davon, wie sie planen, einen Klartraum zu haben, ihre Träume mittendrin komplett ändern und währenddessen Spiele spielen. Aber es gibt auch noch eine „erwachsenere“ oder sinnvollere Möglichkeit, luzide Träume zu nutzen: Manche Therapeut*innen helfen damit Patient*innen mit wiederkehrenden Albträumen oder posttraumatischen Belastungsstörungen, so Waggoner. Es gibt auch Menschen, die ihre Phobien so überwinden konnten.

Probiere es einfach aus

Solltest du jetzt neugierig geworden sein und es ausprobieren wollen, kannst du laut Waggoner folgende Technik testen, die er schon seit Jahren benutzt. Bevor du ins Bett gehst, schaust du dir deine Hände an und sagst dir: Heute Nacht sehe ich meine Hände in meinen Träumen und realisiere, dass ich träume. Diesen Satz wiederholst du wie ein Mantra immer und immer wieder bis du einschläfst. Nach ein paar Nächten fällen dir im Traum vielleicht deine Hände auf. Das ist das Signal dafür, dass du anfängst, Dinge beim Schlafen bewusst wahrzunehmen. Du kannst auch die „Macht der Suggestion“ nutzen und ein Mantra nutzen, das eher so in die Richtung geht: Heute nehme ich alles ganz bewusst wahr und hinterfrage es. Wenn ich etwas Eigenartiges sehe, werde ich feststellen, dass ich träume. Ein weiterer Tipp, den Waggoner hat ist, ein Traumtagebuch zu führen – sie also jeden Morgen zu Papier zu bringen. Dadurch schulst du dein Bewusstsein.
Na dann: Nehmt euch in Acht, Albträume! Eure Tage Nächte sind gezählt, denn ab jetzt nehmen wir den Inhalt unserer Träume selbst in die Hand.
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