Nacktbaden & einfach mal sein: 13 Menschen berichten, wieso sie FKK lieben

Nacktbadende gibt es nicht mehr wie Sand am Meer und dennoch findet man in Berlin und Brandenburg immer noch einige FKK-Anhänger*innen, die blank in Tümpeln ihre Runden ziehen oder an aufgeschütteten Stränden den käsigen Hintern nach langem Winter genüsslich in die Sonne halten. Wenn ich an FKK denke, hängt mir gleich das Bild selbstbewusster, sonnenbrauner, älterer Ost-Männer im Kopf, die sich bei Sonnenschein am See zusammenrotten, um sich gegenseitig zu bebauchpinseln. Eine Freundin von mir schwebte eher ein Bild von swingerclubartigen Ausmaßen vor, als ich ihr erzählte, ich würde für einen Artikel Nacktbader*innen aufsuchen. Dass das, bis auf ein paar Ausnahmen, völliger Quatsch ist, habe ich dann doch sehr schnell gemerkt, als ich mir das live und aus nächster Nähe ansehen ging. Nackt natürlich.
Die Freikörperkultur hat in Deutschland eine lange Tradition. Seit Ende des 19. Jahrhunderts nämlich fanden sich die international Naturisten genannten Menschen aller Geschlechter zu Sport, Gemeinschafts- und Sonnenzwecken zusammen und frönten unter skeptischen Augen ihrer Nacktheit. Die Sittenwächter fanden das damals gar nicht lustig. Trotz spießiger Moralapostel gründete sich 1898 in Essen der erste FKK-Verein. Der Ruhrpott hatte es in sich. Nachzügler um Berlin und die Strände an der Ostsee ließen aber nicht lange auf sich warten. Gerade im Osten verbreitete sich das Nacktbaden wie ein rasantes Waldfeuer. Ziel dieser damaligen Jugendbewegung (!), war es, die Gleichheit aller Menschen zu erreichen. Wie mäßig das funktioniert hat, sieht man an der Diskriminierung, die uns auch heute noch an jeder Ecke ziemlich unangenehm zuwinkt. Aber nicht nur das: Immer weniger junge Menschen trauen sich an die FKK-Stellen oder gehen dort einfach in ihren Badeklamotten hin.
Ich machte mich also auf den Weg, um eine offene ‚gemischte’ Badestelle, aber auch einen ausgewiesenen FKK-Badebreich in einem Sommerbad zu besuchen. Obwohl ich selbst seit 20 Jahren nackt sauniere, ist das mein erstes Mal nackt an einem See. Die Menschen, die mir begegnet sind, haben mit dem ‚Internet‘ an sich nicht viel zu tun, sind aber erstaunlicherweise welt- und kulturoffener als es die junge Internetgeneration zu sein scheint. Sie alle verbindet die Liebe zur Freiheit – in erster Linie zur Freiheit ihres sonst in Klamotten gesteckten Körpers. Ich spreche mit vielen, nicht alle aber wollen unbekleidet im Internet landen. Wegen ihrer Jobs oder der Familie, aber niemand wegen des verklemmten Umgangs mit dem eigenen Körper. Die, die mitmachen, sagen alle, dass sie hoffen jemanden damit inspirieren sich auch zu trauen oder sich selbst besser akzeptieren zu können.

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